Willkommen beim alltäglichen Wahnsinn einer Hausfrau.


Mittwoch, 2. Juli 2014

Tag dreiundzwanzig. Stockholm.

Da Wetteronline eine schlechte Vorhersage abgegeben hatte, wurde Wetter.com gefragt und die sagten für heute Sonne und ab 14 Uhr Regen voraus. Also wieder mit dem Fahrrad in die Stadt. Wir beschließen, den HopOnHopOff-Bus zu nehmen und auf die Vergnügungsinsel zu fahren, wo ich in den Skansen gehen will, einen alten schwedischen Folklore-Park, in der Hoffnung, Elche zu sehen, während Männe ins Wasa-Museum will, das Wrack der Wasa bewundern, die Anno Tobak nach nur 200 m Fahrt gesunken war und nach 300 Jahren im Wasser liegen zur Überraschung aller ziemlich komplett geborgen wurde. Genauer kann ich das nicht sagen, denn als wir am Grand Hotel vorbei kamen, standen dort viele Menschen. Also stellten wir uns dazu und nach längerem Warten kam ein alter Mann mit Rollator raus, der die Menschen zum Johlen brachte.
Okay, der Rollator ist erfunden, der Rest stimmt aber. Eine Sekunde nach dem Abrauschen brach ein Gewitter aus (zum Glück eine Stunde später, als von wetter.com angesagt) und alles flüchtete irgendwohin. Wir einmal mehr in ein Café.
Abends, nach dem Essen, erneut eine Runde um den Ridderfjärden. Heute scheint endlich die Sonne über dem Wasser und ich habe den Fotobrat dabei.
Der alte Mann mit der Zunge.

Riddarholmen am Riddarfjärden.


Schloss.

Stadshuset am Riddarfjärden.


Dienstag, 1. Juli 2014

Tag zweiundzwanzig. Stockholm.

Morgens um 7 kommt das erste Flugzeug, wir liegen in der Einflugschneise von einem der drei Flughäfen. Dann kommt der Rasenmäher für den Park hinter uns und schließlich knallt die extrem stark eingestellte Klotür das erste Mal zu. Über die Brücke fahren schon seit längerer Zeit Autos. Es ist gnadenlos laut.
Der Himmel ist grau, es fängt an zu nieseln, dennoch fahren wir mit dem Radel los. In der Innenstadt große Überraschung: Die Rolling Stones geben heute in Stockholm ein Konzert. Unsere Zunge und Mick in der selben Stadt! Wir streunen ein bisschen durch die Stadt, buchen einen HopOnHopOff-Bus, der uns der Konkurrenz wegschnappt und deswegen später nur den Abendpreis abnimmt: 400 statt 520 SEK und wir können auch morgen noch fahren. Die Fahrt verschafft uns eine gute Übersicht über Stockholm. Danach geht der Nieselregen in einen gepflegten Regen über. Wir harren im Café der Stadsmission aus, schließlich fahren wir durch den Regen zurück zum WoMo. Ziemlich frustriert. Aber nach dem Essen geschieht ein Wunder: Für das Stones-Konzert kommt die Sonne wieder raus. Wir fahren noch einmal über den Norrmälarstrand in die Gamla Stan und über den Södermälarstrand wieder zurück, also einmal um den Riddarfjärden.
(Das war Schwedisch.)
Männe und ich in Stockholm.

Volle Straßen dank Kreuzfahrtschiffen.

Blick aus der Stadsmission vor dem Regen.


Montag, 30. Juni 2014

Tag einundzwanzig. Sundvalla, Stockholm.

Pünktlich morgens um 7 beginnt unrhythmisches Gehämmer. Die Bauarbeiter bauen weiter an der Straße und zerklopfen Felsen. Wir verlassen diesen grauen Ort, wir müssen nur noch den Betrag für Elektrizität reklamieren. Schließlich hatten wir keine. Weiter geht es durch die schwedische Pampas, nur selten öffnen sich schöne Sichten über einen See. Nach stundenlangem Gefahre erreichen wir abends Stockholm. Hier bricht der Chinesen-Navi völlig zusammen: Der Stellplatz soll unter einer Brücke liegen, mit einer zweiten Ebene ist er schlicht überfordert. Zum Glück ist noch der alte Naiv dabei, der uns aus der Endlos-Schleife holt und uns zum Stellplatz bringt. Er liegt auf einer kleinen Insel, beim Sporthafen, ist recht voll, wir stellen uns auf einen total schiefen Platz vor den Toilettencontainern. Besser als nix und die Klos sind nah.

Stockholm von der Brücke, unter der der Stellplatz liegt.
Nur zwei dämmrige Fotos...
Vom CP in Sundvalla.


Sonntag, 29. Juni 2014

Tag zwanzig. Skelleftea, Sundvalla.

Die Nacht war grausam. In Skelleftea war Stadtfest, so das am Samstag ein Konzert stattfand, das die ganze Stadt beschallte. Danach kamen die Heimgänger, dann pumpte einer der LKWs seine Bremsen auf. Grauslich. Da Skelleftea für nix berühmt zu sein scheint, fahren wir weiter Richtung Stockholm. Und natürlich, es gibt einen vermutlich freien Stellplatz vor dem letzten Kreisverkehr am Wasser, sowie weitere CPs, die nicht in irgendwelchen Reiseanleitungen stehen.
Die Fahrt ist relativ langweilig, Zäune rechts und links halten Tiere fern. In Sundvalla wird heftig gebaut: Eine riesige Brücke nebst Anschlüssen über dem Sund entsteht. Sie soll 2015 fertig sein. Unmittelbar nach allen Bauarbeiten fährt Männe links runter auf den Campingplatz. Es ist grau, windet leicht und nieselt. In der Ferne sieht man die Schlote eines Kraftwerkes. Grausame Idylle pur.
Deswegen kostet der Platz gleich ein bisschen mehr.
Schwedisches Wasser.

Schwedischer Wald.

Finnischer Gigaliner, 8 Achsen, ca 25 m.


Samstag, 28. Juni 2014

Tag neunzehn. Fauknes, Skelleftea

Über die Straße Nr 95 geht es über das norwegisch-schwedische Fjell und durch Lappland nach Skelleftea an der Ostküste Schwedens. Ohne einen einzigen lebenden Elch gesehen zu haben! Rentiere, okay, dreimal, dieses Mal sogar wilde, aber keinen Elch. Und auch keinen Bären. Allmählich halte ich dieses Elchgedöns für eine gelungene PR-Aktion der Tourismusminister der skandinavischen Staaten, geplant und ausgeführt 1958 in den Defa-Studios der DDR. In Skelledings warten wir, dass wir für einen Quick-Stopp einchecken dürfen. Das bedeutet, dass wir nur von 9-9 bleiben dürfen, dafür aber weit weniger bezahlen. Als es soweit ist, wollen sie, dass man vorher noch Mitglied in einem Campingclub wird, was die Kosten wieder hoch treibt. Männe ist stinkig. Nun stehen wir auf einem Parkplatz zwischen dem CP und dem Volkspark-Stadion, mit uns noch drei andere, sowie die Trucks des Stadtfestes.

Schwedischer Himmel.

Schwedisches Land.
Schwedisches Ren.
Tiere des Tourismusministeriums, aka "Elche".






Freitag, 27. Juni 2014

Tag achtzehn. A, Fauknes.

Am Morgen laufen wir zu Fuß noch einmal nach A rein. Dort gibt es eine lofotenweit berühmte Bäckerei, die fast nix herstellt, aber die berühmten Zimtschnecken. Und wenn man Norwegen an diesem Ort beschreiben müsste, dann wäre folgender Disput geeignet:
„Ich habe noch 100 Euro. Meinst Du, die reichen für zwei Zimtschnecken?“
“ Ja. Und wenn nicht, dann nehmen wir halt nur eine.“
Aber wir wollen nicht übertreiben: 5 Schnecken, 2 Kaffee und ein kleines Brot haben „nur“ 200 NOKen gekostet…
Dann geht es in Moskenes auf die Fähre. Bei strahlend blauem Himmel und wenig Wind, das Meer ist glatt - im Gegensatz zu den letzten Tagen. Es ist ein Farbrausch in Blau. Auf ca der Hälfte der Strecke werfe ich eine Hofer Wasserflasche mit Postkarte vom Nordkapp raus. Mal gucken, ob sie es bis nach Amerika schafft. Am Festland fahren wir 5 oder 6 REMA 1000 weit. Hinter dem letzten, in Fauknes, gibt es eine originelle Variante: Dort sind ca 10 Stellplätze adrett angelegt, dann folgt hinter Betonbarrieren eine Schottervariante. Für die Edelausgabe soll man eine App herunterladen und die Gebühr von 120 NOKen per SMS bezahlen. Die anderen stehen umsonst, dürfen auch die Versorgung benutzen. Am Abend kommt eine Kontrolleurin, es gibt Unmut, ein Franzose ist außer sich vor Wut. Ein anderer erklärt uns: In Norwegen gäbe es eine Regel, wonach WoMos vier Meter Abstand voneinander halten müssten. Die Franzosen standen natürlich kuschelig nah und so musste der mittlere sein WoMo in die nächste Reihe fahren, was er überhaupt nicht einsah, ihm aber nichts nutzte.

Fähre in Moskenes.
Blick zurück.
Land in Sicht.
Wenn 2 eine Reise machen.





Donnerstag, 26. Juni 2014

Tag siebzehn. Ramberg, A

Letzte Nacht hat es doch ziemlich geschaukelt, da wir auf dem CP zwar neben anderen, aber kleineren WoMos quer zum Wind stehen mussten. Die Sonne scheint, der Wind hat nachgelassen. Bei herrlich blauem Himmel fahren wir weiter. In Olenilsoy halten wir an und trinken zum ersten Mal in der warmen Sonne sitzend, ohne lange Unterhosen und zweites Paar Socken einen Nespresso - what else? So fühlt sich Sommer an! Wir besichtigen Reine, ein sehr malerisches Dorf, das im Gegensatz zu vielen anderen Fischerdörfern, sogar mehrere Restaurationsbetriebe UND einen Supermarkt hat.In Moskenes werden die Bedingungen für die morgige Überfahrt nach Bodö am Festland geklärt, dann geht es zu dem letzten Ort der Lofoten, der ohne Fähre zu erreichen ist. Sinnvollerweise heißt er A. Mit einem Ball drauf, also O. Alpha und Omega in einem. (Das ist Filoso-Fisch mit viel Omega III drin.)
Der CP ist nix, er hat keinen Fernseher und heute spielt D gegen die USA. Zum Glück hatten wir Insiderinfos, die besagten, dass hinter dem Tunnel - durch den man sonst nicht fahren würde - ein großer Parkplatz liegt, auf dem man stehen könne. So war es dann auch. Von dort kann man noch auf ein schönes Hochplateau gehen, aufs Meer schauen und auf die restlichen kleinen Inseln, dann sind die Lofoten zu Ende. Inzwischen ist ganz passend der Wind völlig eingeschlafen, kein Wölkchen am Himmel - wir können abreisen.

A.
Das Hochplateau von A.
Reine






Mittwoch, 25. Juni 2014

Tag sechzehn. Vik, Ramberg

Wir sind den Wind ein bisschen leid, auch wenn die Nacht ruhiger war. Also fahren wir ab. Nach Leknes ins Coop, wir müssen ein bisschen einkaufen. Danach geht es nach Nusfjord, durch eine dunkle Kraterlandschaft. Dort ist ein kleines Fischerdorf 1975 zum Museum erklärt worden, das kostet also Eintritt. Daneben wurden noch ein paar Fischerhütten als Ferienhäuser gebaut. Naja. Wir wollen noch nachsehen, was die kosten sollen. Dann fahren wir nach Flakstadt. Sehr schön, aber noch eine Nacht am stürmischen Strand liegt uns nicht, auch wenn es einen Sonnenuntergang geben sollte. Also fahren wir weiter bis Ramberg auf einen CP. Der hat wenigstens anständiges WiFi, weshalb ich hier ewig hocke, Fotos aussuche, verkleinere, hochlade... Ich hoffe der/die geneigte LeserIn weiß das zu schätzen...
Zum ersten Mal haben wir Sonnen-Nicht-Untergang ohne Wolken über Wasser. Der halbe CP steht mit Kameras bewaffnet am Meer. Aber nur kurz. Der eisige Nordwind treibt allen Sand und Tränen in die Augen und sie ins WoMo zurück.
Nusfjord.
Flakstad.

Ramberg.

Waddenlooper, vom Winde zerzaust.



23.55 h MESZ.




Dienstag, 24. Juni 2014

Tag fünfzehn. Vik.

Die Nacht war unruhig, es blies ein heftiger, böiger Wind. Wir standen zwar schon mit der Rückseite im Wind, es vibrierte und klapperte trotzdem ziemlich. Da die Sonne scheint, bleiben wir. Es ist ein Stückchen wilde Gegend. Wir machen einen Spaziergang um den Berg rum und schauen auf das weite Meer. Von hier bis Amerika nur noch drei Felsen mit drei Lampen. Als wir wiederkommen, stehen wir fast alleine und heute fahren auch alle immer weiter: Man kann durch einen Tunnel auf die andere Seite ans Meer fahren. Aber da kostet es Geld, ist voll und der Sonnenuntergang ist auch dort nicht zu sehen - zu wolkig. Also bleiben wir, abends gesellt sich noch Wilfried dazu, gemeinsam kokeln wir bei Sturm ein Lagerfeuer. Da sich zwei noch quer hinter uns stellen, fangen sie den Wind ein bisschen ab. Es ist dennoch saukalt. Arktisch eben.
Stellplatz, Bucht ist rechts.

Bucht.

Um den Berg herum. Links Meer, rechts Bucht.

Sonnenbad auf Lofotenart.

Montag, 23. Juni 2014

Tag vierzehn. Klepstadt, Uttanklivaet oder so.

Weiter geht es, immer die E10 entlang. In Borg steht das Wikingermuseum. Da ein großer Teil der Anlage aus Außenanlage besteht und es saukalt ist, schenken wir uns die Wikinger, gehen stattdessen in einem Kro zünftig Hamburger essen. Woraus mein Fleisch bestanden hat, will ich lieber nicht wissen, ansonsten war es sehr urig, wenngleich auch teurer als im Museum.. Wir fahren zum Geheimtipp Unstad. Da die Sonne nicht scheint und ein starker Wind weht, ist die Ecke etwas trostlos, obwohl Wellenreiter da sind. Bzw welche, die es versuchen. Deswegen fahren wir weiter nach Stamsund, das sah auf Postkarten gut aus. Okay, die Wasserfront ist auch ganz schön, aber ansonsten ist da auch da der Hund begraben. Danach schließt sich allerdings eine sehr schöne Landschaft an, endlich hängen ganze Fische auf den Trockenständern. Wir schauen uns Ballstad an, der CP ist uns für die Lage und die Situation zu teuer (200 NOK), also fahren wir weiter. Wir gelangen schließlich nach Uttanklivet oder so, es ist in Google nicht einmal verzeichnet, ich glaube, die Ansammlung der drei Häuser heißt Vik. Dort ist ein großer Parkplatz mit Klohaus (incl Papier), Picknicktischen, Volleyballnetz und einer grandiosen Aussicht auf weißen Strand und blaues Wasser. Und alles umsonst. Also bleiben wir, obwohl es schon windig ist.


Unstad.
Stamsund.
Ganze Stockfische.
Unterwegs,






Sonntag, 22. Juni 2014

Tag dreizehn. Svolvaer. Klepstadt

Seufz. Es ist mal wieder soweit. Und schon hat mich die Hexe erwischt, als ich einen dicken Labbi knuddelte. In dem Alter muss man halt vorsichtiger sein. Dicken Gruß und Knutsch an Anita, die auch wieder ein Jahr älter geworden ist. *grins* Die Sonne scheint, wir fahren weiter. Der nächste Halt ist Kabelvag. Dort gibt es ein Lofotenmuseum. Man kann sehen, wie die Fischer früher zusammenkamen und zusammenlebten und wie der Fischerhüttenbesitzer gut davon leben konnte. Bis diese Ära auch vorbei war. Daneben ist ein sehr modernes Aquarium, dessen Café wir einen Besuch abstatten. Dann biegen wir nach Henningsvaer ab. Dazu muss man über zwei Brücken, die die Inseln miteinander verbinden. Sie sind einspurig, was zusammen mit dem Wind einen gewissen Reiz gibt. Aber Norweger sind gelassen. Der Ort ist sehr schön, es gibt die ersten, zum Trocknen aufgehangenen Fische, bzw deren Köpfe. Die Aussichten auf das Wasser und die Felsen sind umwerfend. Wir fahren dann in Klepstadt auf einen CP. Es weht weiter, aber die Duschräume sind mollig warm. Zur Nacht gibt es eine Schmerztablette.



Zum ersten Mal nur drinnen: Zu kalt und stürmisch!

Lofotenmuseum.

Fischköppe halt.


Henningsvaer

Bei Henningsvaer.







Samstag, 21. Juni 2014

Tag zwölf. Alta, Polar Wild Life.

Es regnet. Es wird den ganzen Tag regnen und die Nacht noch dazu. Männe meint, macht nichts, bei Regen kann man gut fahren. (Das hörte sich gestern irgendwie anders an.)
Darum fahren wir ein größeres Stück Richtung Lofoten und kommen bis nach Badu, wo wir vor dem Polar Wild Life Park mit anderen WoMos stehen bleiben. Wir würden es auch besuchen, aber 30 € pro Person..? Da wir vor 11 Uhr wieder weg sind, kommt der Direktor leider zu spät zum Kassieren der eigentlich erwarteten Gebühr von 90 NOK. Dabei sind die Toilettenhäuschen verrammelt.
Wir kommen bis Sjolvaer, das liegt auf der ersten Insel der Lofoten. Es stürmt, was das Zeug hält. Sicherheitshalber setzen wir das WoMo einmal um: Geschichten von umkippenden WoMos machen die Runde. Abends ist Fußball. Deutschland und Ghana trennen sich unentschieden 2:2. Mit Bildern des blutenden Müller beendet das norwegische Fernsehen die Übertragung.

Unterwegs.

Aussicht CP Sjolvaer

Aussicht 5 Minuten später.

Freitag, 20. Juni 2014

Tag elf. Nordkapp, Alta.

Der Eintritt in das Nordkapp kostete gestern 490 NOK. (60€?) Dafür durfte man zwei Nächte dort oben stehen bleiben, die Toiletten und das WiFi im Café nutzen. Aber, wie Männe schon beim Einfahren bemerkte, man muss nicht 2 Tage bleiben.
Man muss sich das vorstellen: Man fährt gerade ans Ende der Welt und Männe ist schon wieder bei der Abfahrt. Um 10 werde ich gedrängt, doch noch Fotos zu machen und ins Kino zu gehen. Aber in ein Kino gehe ich bei strahlend blauen Himmel aus Prinzip nicht.
Also ziehe ich mit dem Fotoapparat noch einmal Kreise, bitte statt Männe einen Holländer um Fotos, was der unter den gestrengen Augen seiner Gattin auch höchst bemüht macht und lande im Shop. Ein T-Shirt und Postkarten werden mein. Für alle ohne Postkarten:
Pro Karte wurden mit Briefmarke 3 Euronen fällig... Männe erwartet mich mit Kaffee und Laptop bei free WiFi. Ungeduldig, wie immer. Ich darf noch einen Satz in den Blog schreiben, aber schon das Raussuchen der Fotos und das Formatieren dauert zu lange, weshalb er zum Auto geht.
Wahrscheinlich den Motor anlassen. Danach muss ich abfahren, denn es fährt sich bei blauem Himmel auch viel schöner und morgen gibt es Regen.
Wir fahren noch einmal in das Dorf, Essen kaufen, dann durch die zwei Tunnel zurück und sind weg. Dafür fahren wir wieder am Ufer entlang, mit den herrlichen Gesteinsschichtungen.
Nach zig vergeblichen Versuchen, dies aus dem fahrenden Auto zu fotografieren (worin ich schon einige Übung erlangt habe) und einem zornigen Disput, hält Männe an: Die Sonne ist weg.
Ganz toll. Schließlich fahren wir in Alta schon um 18 Uhr auf einen Parkplatz an einer ganz normalen, also lauten Strafle. Es ist saukalt und gelegentlich fallen schon die ersten Tropfen.
Aber: Der Stellplatz mit warmen Café und free WLAN, grandioser Aussicht und sauberen Toiletten war schließlich schon bezahlt.

Letzte Aussichten auf dem Nordkapp.

Noch ein Rentier.


Donnerstag, 19. Juni 2014

Tag zehn. Karasjok, Nordkapp, Nordkap, Cappo Nord..

Es regnet und ist kalt, als wir weiterfahren. Die Landschaft entwickelt sich vom finnischen, grünen Plattland wieder zum norwegischen, kargen Bergland. Schneereste lassen die Berge wie Zebras aussehen. Die Straße entlang des Fjordufers wurde in das Gestein gefräst und zeigt die vielen Schichten und ihre Auffaltungen. Gelegentlich brechen sie auch ab. Zum Nordkap muss man vom Festland auf die Insel.
Dafür wurde eigens ein fast 7 km langer, um die 200 m tiefer Tunnel gebaut. Als wir ihn verlassen, ist das Wetter deutlich besser und nach dem nächsten, knapp 3 km langen Tunnel ist es richtig schön: Die Sonne bricht durch die vielen verschiedenen Wolkenformationen. Es geht die kargen Berge hoch und wieder runter, die Straße schlängelt sich allmählich auf die Hochebene des Nordkaps. Hier ist der Kontinent zu Ende: Eine riesige, betörend blaue Wasserfläche breitet sich vor unseren Augen aus. Das Getümmel hält sich in Grenzen. Anschauen darf ich mir nichts: Ich habe ja morgen noch den ganzen Tag Zeit. Für den Riesensouvenirshop, die Ausstellung und das Kino:
Was willst Du denn sonst morgen den ganzen Tag machen? Also kreise ich auf dem Hang herum, um Fotos zu machen. Gegen 22 Uhr trifft ein Bus nach dem anderen ein, WoMos, PKWs,Fahrräder, Motorräder, alles, was Räder hat, ist oben.
Okay, kein Rollator. Rollstühle dagegen schon.Treffpunkt ist eine Erdkugel aus Stahl, am Sonnenuntergangsrand des Plateaus gelegen. Die Besucher kommen aus nahezu allen Ländern Europas, dazu offensichtlich auch Japaner.
Es wird fotografiert, was das Zeug hält, neu der selbstverliebte Selfie-Knipser, der, seine Kamera (Handy?) auf ein Einbeinstativ geklemmt hatte und per Selbstauslöser sich vor der Kugel fotografierte.
Alle anderen pflegten noch Kontakte, indem sie wildfremden Menschen ihre Fotoapparate in die Hand drückten, mit der Bitte, sie zu fotografieren. Ja, nein, die Stullenbrettknipser gaben ihre Pads auch nicht her. Das hat man davon, wenn man mit einem Brett vor dem Kopf Fotos macht. Aber, alles Hoffen war vergebens, die Wolken zogen pünktlich zum Abend auf und der (fast-)Sonnenuntergang fiel aus.



Mittwoch, 18. Juni 2014

Tag neun. Sodankylä, Karasjok / Norwegen.

Bevor wir Sodankylä verlassen, setze ich mich bei frischen 8 Grad an die Rezeption und schreibe am Blog weiter. WLAN geht doch, aber nur direkt an der Rezeption - wie meist. 
Irgendwie komme ich durcheinander. Wir fahren weiter. Es ist ein sehr angenehmes Fahren: Es ist den ganzen Tag hell, die Rezeptionen meist lange besetzt. So ist morgens, mittags abends völlig schnuppe, man kann nach Lust und Laune trödeln. Heute ist es kalt aber sonnig. Der Himmel wahnsinnig blau mit Wolken. Ich bin etwas stinkig: Noch kein Rentier oder Elch gesehen, geschweige denn einen Bären. Man gerade ein Karnickel und einen Fuchs.
Auf einmal tritt Männe in die Eisen und spricht wundersame Worte: Er drehe noch einmal, da wäre ein wunderschöner Wanderweg gewesen. Ich fasse es nicht. Es ist ein Holzweg über eine Sumpfwiese, er führt zu einem Hochstand am See. Innerhalb kürzester Zeit sind aberwitzig viele Fotos gemacht und der Akku leer.
Und es kommt noch besser: Wir sehen endlich Rentiere. Sehr junge, die in aller Seelenruhe am Straßenrand Gras fressen. Und der Akku ist leer. Zum Glück gibt es wenigstens noch die kleine Nikon. Wenig später erneut Rentiere, aber auf der falschen Seite. Männe dreht ein zweites Mal !!!, damit ich sie fotografieren kann. Ich hole die Kamera vom Lader, sie spricht mit mir, aber ich verstehe nicht, was genau sie mir sagen will. Wenig später weiß ich es: Obwohl eine SD-Karte eingesteckt ist, hat sie sie nicht zur Kenntnis genommen und mir zwar jedes aufgenommene Foto gezeigt, aber nicht gespeichert. Schluck. All die schönen Bilder - Rauch. Wenig später zeigt sich das Schicksal gnädig, wir biegen in eine weniger befahrene Straße zur Grenze nach Norwegen ab und siehe da, noch einmal 3 Rentiere. Nach 3 Aufnahmen findet Männe, dass es reicht und rollt weiter. Mein entsetztes "Halt" verscheucht zwar die Viecher sofort, aber es braucht zwei weitere Rufe, bevor sie komplett weg sind und Männe hält. (Über die nachfolgende Stimmung muss nicht viel gesagt werden.)
Wir fahren bei Karasjok über die Grenze. Die Sonne ist weg und als wir auf dem CP sind setzt Landregen ein. Dafür ist es nicht mehr ganz so kalt. Hoffentlich. Sonst schneit es womöglich noch.


Nicht nur kalte Finger.

Sumpfblumen aus der Sicht einer Ameise.
Im Sommer eine Mückenzuchtanlage..

Rentier.