Tag zehn. Karasjok, Nordkapp, Nordkap, Cappo Nord..
Es regnet und ist kalt, als wir weiterfahren. Die Landschaft entwickelt sich vom finnischen, grünen Plattland wieder zum norwegischen, kargen Bergland. Schneereste lassen die Berge wie Zebras aussehen. Die Straße entlang des Fjordufers wurde in das Gestein gefräst und zeigt die vielen Schichten und ihre Auffaltungen. Gelegentlich brechen sie auch ab. Zum Nordkap muss man vom Festland auf die Insel.
Dafür wurde eigens ein fast 7 km langer, um die 200 m tiefer Tunnel gebaut. Als wir ihn verlassen, ist das Wetter deutlich besser und nach dem nächsten, knapp 3 km langen Tunnel ist es richtig schön: Die Sonne bricht durch die vielen verschiedenen Wolkenformationen. Es geht die kargen Berge hoch und wieder runter, die Straße schlängelt sich allmählich auf die Hochebene des Nordkaps. Hier ist der Kontinent zu Ende: Eine riesige, betörend blaue Wasserfläche breitet sich vor unseren Augen aus. Das Getümmel hält sich
in Grenzen. Anschauen darf ich mir nichts: Ich habe ja morgen noch den ganzen Tag Zeit. Für den Riesensouvenirshop, die Ausstellung und das Kino:
Was willst Du denn sonst morgen den ganzen Tag machen? Also kreise ich auf dem Hang herum, um Fotos zu machen. Gegen 22 Uhr trifft ein Bus nach dem anderen ein, WoMos, PKWs,Fahrräder, Motorräder, alles, was Räder hat, ist oben.
Okay, kein Rollator. Rollstühle dagegen schon.Treffpunkt ist eine Erdkugel aus Stahl, am Sonnenuntergangsrand des Plateaus gelegen. Die Besucher kommen aus nahezu allen Ländern Europas, dazu offensichtlich auch Japaner.
Es wird fotografiert, was das Zeug hält, neu der selbstverliebte Selfie-Knipser, der, seine Kamera (Handy?) auf ein Einbeinstativ geklemmt hatte und per Selbstauslöser sich vor der Kugel fotografierte.
Alle anderen pflegten noch Kontakte, indem sie wildfremden Menschen ihre Fotoapparate in die Hand drückten, mit der Bitte, sie zu fotografieren. Ja, nein, die Stullenbrettknipser gaben ihre Pads auch nicht her. Das hat man davon, wenn man mit einem Brett vor dem Kopf Fotos macht. Aber, alles Hoffen war vergebens, die Wolken zogen pünktlich zum Abend auf und der (fast-)Sonnenuntergang fiel aus.